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Ein Tag in Rom

Buon Giorno! Schon wach? Wenn nicht, dann hilft der Barista nun gleich nach. Wir stehen in einer der unzähligen Kaffeebars in Rom und schauen der Performance des Manns hinter dem Tresen zu. Er scheint mehr Hände als ein normaler Mensch zu haben. Zack, zack, klopft er den Kolben aus, füllt neues Pulver ein, schiebt den Kolben in die Maschine. Es zischt während der heisse Dampf die Milch im Kännchen aufschäumt. Und pronto! steht die Tasse zusammen mit einem Glas Wasser auf dem Tresen. Ganz wichtig: Bezahlt wird im voraus an der Kasse in der Bar, danach hält man dem Barista die Quittung hin. In Italien sagt übrigens niemand „Espresso„. Hier heisst es „Un caffè, per favore!“ Bis zum Mittag darf es auch ein Cappuccino sein – wer später Lust auf etwas Milch im Kaffee hat, bestellt einen Caffè macchiato.

In der Roscioli Caffè Pasticceria

Los geht es! Roms historisches Zentrum gleicht einem riesigen Freilicht-Museum. Am besten nimmt man sich viel Zeit, peilt ein Ziel an – und verläuft sich dann auf dem Weg dorthin mit Absicht. Praktisch überall gibt es was zu sehen und entdecken: Versteckte Hinterhöfe, Plätze und Prunkbauten, Parks und Brunnen – und natürlich Kirchen, Kirchen, Kirchen. Konsequent auf dem Weg zu bleiben, wäre eine Sünde. Einzige Bedingung: bequeme Schuhe! Praktisch ist auch eine Wasserflasche, in Rom stehen überall Trinkbrunnen von denen man auch wirklich trinken kann.

Die Treppe führt hoch zum Giardini dei Quirinale, ein schöner, ruhiger Park für eine Mittagspause.

Links: Die Strassen rund ums Kolosseum. Rechts: Best dressed Carabinieri in Italien

Bis zu 25 000 Menschen besuchen täglich das Vatikanische Museum mit der Sixtinischen Kapelle. Im Kolosseum sind es zu Spitzenzeiten 24 000. Vor dem Trevi Brunnen treten sich die Touristen gegenseitig auf die Füsse und haben doch noch den Nerv und die Musse mitten im Trubel ein Gelati zu schlecken. Sich diesen Zirkus mal anzuschauen, kann ganz amüsant sein („Sorry, can you help me? We are looking for the Trevi Fountain….“), ermüdet aber auch. Michelangelos Adam lassen wir darum aus (wenn ins Vatikanische Museum, dann im Voraus online Ticket reservieren, sonst steht man Stunden an) und besuchen stattdessen den ebenso schönen aber viel ruhigeren Palazzo Barberini.

Der Arnobrunnen der Le Quattro Fontane. Von hier sind es nur ein paar Minuten zum Palazzo Barberini.

Abendstimmung: Blick vom Monumento a Vittorio Emanuele II

Gegen ein Uhr meldet sich der Magen. Vor den Restaurants im Zentrum wedeln die Kellner mit den Menukarten. Die übelsten Lokale haben (schön asiatenfreundlich) aus Plastik nachgebaute Teller im Schaufenster stehen. No grazie! Wir kaufen unterwegs pikant-gefüllte Oliven, Mozzarella, Tomaten und Brot und picknicken im idyllischen Giardini dei Quirinale – gleich gegenüber des Dienstsitzes des italienischen Präsidenten. Oder gehen bei der Bäckerei Antico Forno Roscioli in der Nähe vom Campo de‘ Fiori vorbei. Auf riesigen Blechen werden verschiedene Pizza-Sorten angeboten und in Stücke geschnitten, bezahlt wird nach Gewicht. Die Amerikanerin Katie Parla schreibt auf ihrem sehr lesenswerten Blog, dass sie manchmal schon morgens bei Roscioli vorbeischaut und zum Frühstück ein Stück Pizza verdrückt… Um am Nachmittag nicht in ein Tief zu fallen, gehts um die Ecke zu Roscioli Caffè Pasticceria.

Shopping bei Chez Dédé.

Wer am Nachmittag etwas Geld ausgeben möchte, dem sei Chez Dédé empfohlen (im gleichen Quartier wie Roscioli). Die Boutique kommt sehr französisch daher, ihre Canvas-Taschen sind aber alle Made in Italy. Mir haben es vor allem die Mode-Illustrationen angetan, gedruckt auf Leinwand. Gegen den späteren Nachmittag schlendern wir dann Richtung Petersdom. Um fünf Uhr ist die Schlange vor der Security-Kontrolle zwar noch da, aber nicht mehr so lang wie am Morgen. Die sonderbaren Pilger mit ihren Holzkreuzen sind verschwunden und der Dom leert sich immer mehr, so dass man in aller Ruhe das Bauwerk auf sich wirken lassen kann.

Oben und unten: Der Mercato Centrale bei Roma Termini.

Roma Termini und die Strassen um den Hauptbahnhof sind ein eher roughes Terrain. Heruntergekommene Häuser treffen auf Immigranten und Touristenmassen, doch es scheint, dass sich das Quartier (Esquilino Distrikt) wandelt. Wir haben dort im neuen, auf hipp-gemachten Generator Hostel übernachtet (okay, aber keine Empfehlung). Vor einem Jahr hat zudem beim Stazione Termini der Mercato Centrale eröffnet, eine edle Markthalle mit tollen Produkten – ein idealer Ort um die müden Beine mal auszustrecken, was kleines zu essen, ein Birra Moretti zu trinken und sich erholen. Denn, wir haben noch was vor: das Kolosseum hat auch abends offen.

Oben und unten: Letzter Stopp vor der Zugreise nach Hause. Einkaufen im Nuovo Mercato Esquilino, ganz in der Nähe von Roma Termini.

Tipps für Reiseführer: 

Fettnäpfchenführer Rom: Ein Reiseknigge für die ewig Schöne auf sieben Hügeln von Nicole Testa-Kerpen (Conbook-Verlag).  Nicht vom dummen Titel irritierten lassen, die Autorin lebt in Rom und gibt tolle Tipps. Sehr informativ.

Rom. Lieblingsorte von Stefan Ulrich. (Insel-Taschenbuch). Ein schmales, hübsches Büchlein, gute Hintergrundinformationen über das Leben in Rom.

Katie Parla. Ein wunderbarer Blog über Essen in Rom (und Italien). Sehenswert sind auch ihre Filme (Youtube) in denen sie die verschiedenen Quartiere vorstellt. www.katieparla.com

 

 

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