Auf Reisen, Schweiz
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Aletschgletscher

So viel in den Bergen wie diesen Sommer waren wir noch nie. Das Wetter spielte immer mit, aber wahrscheinlich sind wir auch einfach im Wander-Alter angekommen. 

Womit wir gleich beim Thema wären: ich bin diesen August vierzig geworden. Ich mag Geburtstage nicht besonders, und speziell dieser versetzte mich nicht in Feierlaune. Aber einfach ignorieren ist auch keine Lösung. „Man braucht einen Plan für diesen Tag“, hat eine Freundin mir geraten. Und daran habe ich mich gehalten. Ich mietete in den Bergen ein Haus und verbrachte dort das Wochenende mit Freunden. Die Woche drauf reisten wir zu zweit ins Wallis – mein Geburtstagsgeschenk.

Wir übernachteten in der Villa Cassel auf der Riederalp. Die Lage des über hundertjährigen Hauses ist einmalig. Der Engländer Sir Ernest Cassel, der auf Anraten seines Doktors den Sommer in der frischen Alpenluft verbringen sollte, wusste genau, wo man eine solche Villa hinstellt. Während sich die bäuerliche Schweizer Bevölkerung lustig machten über die englischen Alpinisten.

Die adeligen Zeiten sind längst vorbei, die Villa Cassel gehört der Naturschutzorganisation Pro Natura. Vieles im Haus wirkt etwas ältlich, man fühlt sich wie in einer, in die Jahre gekommenen Jugendherberge. Im nächsten Jahr wird renoviert – und hoffentlich auch das Interior etwas aufgefrischt. Um die Aletsch-Region zu erleben, ist die Villa aber sicher der perfekte Ort!

Gleich unterhalb der Villa erstreckt sich der Aletschwald. Einige der Arven sind über 900 Jahre alt und gelten als die ältesten Bäume der Schweiz. Diesen geschützten Wald zu durchwandern ist ein besonders Erlebnis, man driftet gedanklich wunderbar weg. Als ich dort alleine ging (der Mann geht immer in einem sportlermässigen Tempo voran…) kamen mir Szenen aus Tyll von Daniel Kehlmann in den Sinn. Im Roman schreibt er mehrmals von Wäldern, wo das Kleine Volk haust und die Kalte umgeht.

Neben dem Wald ist natürlich der Gletscher die dominante Kraft in der Landschaft. Am zweiten Tag hatten wir ihn auf unserer Wanderung fast immer im Blick. Der Himmel war bewölkt und Nebelfetzen hingen über dem Grossen Aletschgletscher. Je näher man kommt, desto deutlicher spürt man auch seine Kälte und sieht die riesigen Spalten. Unvorstellbare elf Milliarden Tonnen Eis liegen auf einer Länge von 23 Kilometern. Diese einzigartige Landschaft lockt verständlicherweise jede Menge Touristen an. Man muss nicht mal besonders sportlich sein – mehrere Sesselbahnen fahren auf den Grat. Dazu brettern Biker über die noch so engsten Wanderwege. Und wenn dann auch noch eine Drohne über meinem Kopf surrt, verliere ich schon mal die Contenance. Aber nur ganz kurz: Der Gletscher ist zu schön um sauer zu sein.

Unsere Tour:
Erster Tag: Wanderung von der Belalp bis in die Riederalp in die Villa Cassel, ca. 4 Stunden. Das erste Stück geht nach unten, man überquert die Massaschlucht auf einer Hängebrücke. Auf der anderen Seite geht es dann wieder hoch, durch den Aletschwald bis zur Riederalp.

Zweiter Tag: Von der Villa Cassel alles entlang des Gletschers bis zum Märjelensee, durch den Tunnel und bis zur Fiescheralp laufen, wo die Seilbahn nach Fiesch fährt. Ca. 6 Stunden.

Die Angestellten in der Villa Cassel kennen die Region gut und haben uns bei der Route beraten.

 

 

 

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