In der Küche, Kochbücher, Kochen, Restaurant, Tee
Schreibe einen Kommentar

Tee, Scones und Cheesecake

Britisches Luxusleben geht so: man stapft in Gummistiefeln durch Moorlandschaften, schiesst  ein paar Enten und ist dann um fünf Uhr nachmittags pünktlich zurück im Schloss, um Tee zu trinken und Scones mit Clotted Cream zu essen. Kein Wunder bieten Luxushotels gerne High Tea an. Kenner gehen dafür aber zu Länggass-Tee in Bern. Zu einem High Tea gehören Tee (Of course!) und eine mehrstöckige Etagère mit süssen und salzigen Häppchen. Der Rahmen ist gediegen-entspannt, man versinkt in teuren Sofas und nippt an Goldrand-Tässchen. Meist ist ein High Tea so ein typisches Luxus-Dings, das sich Freundinnen mal gönnen. Sie sitzen dann entzückt in der schicken Bar eines Hotels, dessen Zimmer sie sich niemals leisten könnten – aber immerhin.

Mein Luxus-High-Tea-Erlebnis liegt schon ein paar Jahre zurück. Ich sollte im Zürcher Baur au Lac den Besitzer eines high-end Wellnesshotels zum Gespräch treffen. Es war Frühling und nach regnerischen, übellaunigen Wochen endlich richtig warm. Die Stadt vibrierte, doch für den Herrn aus Thailand spielte das wohl keine Rolle. Er wünschte sich ein High Tea und so sassen wir vor dem flackernden Kaminfeuer beim Tee. Die Etagère war edel beladen. Leider ist zugreifen bei solchen Terminen nicht so fein. Man soll ja parlieren. Dazu sass sein ganze Entourage rundherum auf den weissen Sofas und blickte mich ständig an. Genau: entspannt wäre anders.

Mal abgesehen von der Situation, die ich natürlich im Rückblick lustig-absurd finde, müsste ich dieses High Tea auch sonst nicht wiederholen. Vor allem, da es dafür einen so viel besseren Ort gibt: nämlich Länggass-Tee in Bern. Der Laden im Universitätsquartier – um die Ecke ist gleich die Uni Tobler – versteht wirklich was von Tee. Ganz im Gegensatz zu teuren Restaurants und Hotels, die einem gern einen billigen Beutel in die Tasse hängen oder den Grüntee mit kochendem Wasser übergiessen.

Vom Geschäft führt eine enge Wendeltreppe aus Holz hoch in den Teeraum. Man kann hier eine riesige Auswahl an Tees degustieren und Kleinigkeiten essen. Am Samstag gibt es einen Brunch (laut Website auf ein halbes Jahr hinaus ausgebucht) oder man nimmt sich Zeit für ein High Tea. Dieses kommt so reichhaltig wie eine ganze Mahlzeit daher, so dass man gut auf den Mittag reservieren kann – und dann gemütlich in den Nachmittag hinein vertrödelt.

Ich wähle jeweils gleich die Teereise. Angefangen mit einem leichten, mit Blüten bedufteten Tee werden nacheinander weisser, grüner, schwarzer Tee und Oolong serviert. Eine Entdeckung für mich war der Rauchtee, als Topping über das Blätterteig-Gebäck gestreut. Natürlich habe ich mir unten im Laden gleich hundert Gramm davon gekauft. Bis jetzt lag er unbenutzt im Schrank. Bis vor ein paar Wochen, als ich das neue Teebuch von Länggass-Tee in die Hände bekam. Neben tollen Bildern und Geschichten aus China findet man darin auch Rezepte. Und jenes für die Gerstensuppe mit Rauchtee hat gleich voll eingeschlagen. Man kann dafür eigentlich jedes vegetarische Gerstensuppen-Rezept verwenden und kocht einfach 2 bis 3 Esslöffel Tarry Lapsang Souchong mit. Der geschmackliche Wahnsinn.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.